October 10, 2008

Telekommassaker!!!1!

Oh nein! Es ist wieder passiert! Die Telekom hat Daten verloren, der Spiegel will berichten, aber Schäuble muss zunächst die Schlagzeilen korrigieren ;-)

Spiegel: "Telekom verkauft 17 Millionen Kundendaten"

Schäuble: "Och nö. Viel zu offensichtlich."

Spiegel: "Telekom verliert 17 Millionen Kundendaten"

Schäuble: "Nein, nicht möglich! Die Telekom ist das THTBDST des BKA (Anm. d. Red.: Top-Hightech-Terror-Bekämpfungs-Daten-Speicherungs-Tool). Dort arbeiten nur Spezialexperten, die sind fast so gut wie unser BKA-BTESET (Anm. d. Red.: BKA-Bundes-Trojaner-Entwickler-Spezial-Experten-Team)!"

Spiegel: "Djihad-Terroristen entwenden 17 Millionen Kundendaten und terrorisieren uns mit Werbung."

Schäuble: "Nein, der 11.September ist schon seit nem Monat um und eine Wahl steht auch nicht an. Tante Angie und Onkel George haben uns aufgetragen, dass wir nur im September und vor Wahlen Terror propagieren dürfen."

Spiegel: "Diebe klauten 17 Millionen T-Mobile Kundendatensätze"

Schäuble: "Ja! Ja das ist es! So sind böse Meschen schuld und nicht die Telekom. Und besser noch: Endlich können wir neue DEGs (Anm. d. Red.: Daten-Erhebungs-Gesetze ) durchwinken, damit wir noch mehr das böse Wahlvieh .. äh die ganzen Kriminellen abhören dürfen."

Von: mongo

October 10, 2008

Telekom bespitzelt DGB-Chef Sommer

Vor einigen Wochen hatten wir hier schon den Spitzelskandal der Telekom und der Lufthansa  aufgegriffen. Die beiden Unternehmen haben die Telekomunikationsdaten einiger ihrer Mitarbeiter und von Journalisten überprüft, da häufig interne Informationen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Einen nicht ganz unprominenten Vertreter der Gewerkschaften hat es dabei wohl auch erwischt: Den DGB-Chef Michael Sommer.

Von: mongo

September 02, 2008

Daten sind beim (nicht) Staat sicher

Laut eines meiner ehemaligen Chefs teilt ein erfolgreiches Unternehmen seine Energie in drei Bereiche auf: 1/3 ist Können und Machen, 1/3 ist Unternehmensführung und Erbsenzählerei und das letzte Drittel bildet Aqkuise. Möglicherweise sind die Verhältnisse nicht genau so, aber sicher bildet die Aqkuise, also Kundenneugewinnung und Erhaltung einen wichtigen Faktor. Besonders in gesättigten Märkten wie der Telekommunikation hängt viel davon ab: Alle Anbieter bieten praktisch identische Leistung. Kundengewinnung ist dann eine Frage des Preises oder des besseren Verkäufers.

Viele Unternehmen setzen dazu auf professionelle und billige Hilfe. In der Endkundenakquise wird das Realität durch Call-Center. Grundsätzlich gilt: Egal wie gut oder wie schlecht ein Produkt ist, wenn man nur genug potentielle Kunden anruft, wird man neue Kunden hinzugewinnen. Wer 100 Leute anruft, wird später im Normalfall sicher mindestens einen neuen Kunden haben. Statistische Gewissheit. Das ist im Endeffekt wie der Schuss mit einem Schrotgewehr: Sollte sich ein Ziel im Umkreis aufhalten, dann trifft man es auch.

Wie und wo Daten (Name, Telefon, möglichst weitere Details um die Trefferquote zu erhöhen) potentieller Kunden herkommen und ob das jeweilige Call-Center seriös dran gekommen ist, das ist oft irrelevant. Hauptsache die Erfolgsquote stimmt.

Nach den letzten Vorfällen rund um illegale Weitergabe und Ausnutzung von zehntausenden von Kundendaten durch Call-Center bricht eine ganze Gruppe unserer Politikerriege in Aktivität aus: Brigitte "Was ist nochmal ein Browser?" Zypries erwägt eine generelle Zustimmung des Kunden zur Weitergabe von Daten (bei Betonung der Zuständigkeit durch Schäuble), Michael "Ich hab Leute, die für mich das Internet bedienen" Glos schlägt ein generelles Datenhandelsverbot vor, Wolfgang "Wir brauchen den Online-Trojaner für spezielle Spezialfälle" Bosbach ist für die Weitergabe personenbezogener Daten nur bei bei ausdrücklicher Zustimmung, und Wolfgang "Wir werden nicht zulassen, dass technisch manches möglich ist, aber der Staat es nicht nutzt" Schäuble lädt zu einem Krisengespräch über Datenklau.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es sehr unwahrscheinlich das die Diskussion zu mehr Verbraucherschutz und Dateschutz führt: Die Katastrophen sind noch nicht groß genug, das Geschrei der Bevölkerung nicht laut genug, der direkte Schaden nicht für Politiker ersichtlich. Weiterhin hat sich die Lobby noch nicht lautstark gemeldet um dringende wirtschaftliche "Fakten" anzubringen und damit etwaige sinnvolle Forderungen mit Geld zu töten. Möglicherweise wird sich das Thema für den ein- oder anderen Wahlkampf noch als brauchbar erweisen, aber wer glaubt an Wahlversprechen? An die eigene Nase packen wäre dazu noch politischer Selbstmord. Ein schönes Beispiel sich mit überfälligen Änderungen wenigstens nicht selbst auf die Füße treten zu müssen gibt dabei unser größter Innenminister aller Zeiten:

[Die staatlich erhobenen und gespeicherten Daten] sind sicherer als die Daten, die im privaten, nicht-öffentlichen Bereich umlaufen. Sie sind auch sicherer als in anderen europäischen Ländern. (Wolfgan Schäuble, 24.08.2008)

Genau. Es ist völlig un-denk-bar, dass der Staat selbst bei seinen wachsenden Datenbergen jemals etwas "verliert"! Sicher ist wohl nur die sichere Weitergabe (Auszug Datenlecks nur der letzten Monate):

  • Kundendaten der Süddeutschen Klassenlotterie illegal verkauft. (08/2008)
  • Bürgerdaten von 200 Meldeämtern monatelang online. (06/2008)
  • Kripo Saarbrücken führt illegale Feststellung von Verbindungsdaten beim saarländiches SPD-Chef durch. (Hier hats immerhin mal nen Politiker erwischt, 06/2008)
  • Behörden vermissen von 2005 bis 2007 ca. 500 Rechner und Laptops. (03/2008)
  • Polizei schickt Objektschutzdaten über Presseverteiler. (11/2007)

Alles bedauerliche Einzelfälle, da bin ich mir sicher. Organisierte Weitergabe in Form von Fluggastdaten an Staaten wie die USA oder der Prümer Vertrag zählen natürlich nicht. Die richtigen Monster wie die Vorratsdatenspeicherung, die Gesundheitskarte, der biometrische Pass und die Personenkennziffer haben dabei längst noch nicht ihr volles Potential entfaltet. Seid eh' alles potentielle Terroristen, Ihr Bürger. Da ist das schon in Ordnung.

Von: lolli

June 09, 2008

Telekom und Lufthansa spitzelt - CCC fordert

Nachdem die letzten Tage die Spitzelaffäre der Telekom durch alle Medien gegangen ist, gesteht nun auch die Lufthansa Journalisten bespitzelt zu haben.

Der CCC fordert daher härte Strafen für Datenschutzvergehen, verbindliche Vorschriften zur Datensparsamkeit etc.

Von: mongo

May 18, 2008

Verfassungsfeind Nr. 1

Unser Lieblingsproblempolitiker Wolfgang SS. konkretisiert seine Pläne zum Aufbau eines dedizierten Spitzeldienstes in Deutschland: Die Bundesabhörzentrale soll die innerdeutschen Überwachungen des Bundesnachrichtendienst, BKA, Verfassungsschutz und der Bundespolizei "bündeln" und "herauslösen", nach dem Vorbild der NSA.

Also ich befürworte das ja: Wir haben schon vor einigen Jahrzehnten gute Erfahrungen mit der Gestapo gemacht, und wissen genau, was für ein erfolgreiches Mittel die Verschmelzung der Geheimdienste mit der Polizei ist, um Bürger zu knetchten, aus dem Verkehr zu ziehen und mundtod zu machen. Zwar ist das laut Grundgesetz verboten, aber unseren größten Innenminister aller Zeiten scheren solche sinnlosen Nebensächlichkeiten nicht. Das Bundesverfassungsgericht ist doch eh zu langsam um angemessen zu reagieren. Ich meine, wir sollten jeden Redaktuer einer Zeitung und allen Bloggern dringenst zum Tragen einer Armbinde zwingen, auch dieses Modell hat sich bewährt. Dann ist zumindest jedem Gespräschspartner sofort klar mit was er es zu tun hat. Das kann man später auf Anwälte, Geistliche und Mitarbeiter der Telefonseelsorge ausweiten. Vielleicht hat der ein- oder andere CDU Innenminister ja noch Kisten mit passenden Designvorlagen im Keller.

Dabei ist die Installation der "Abhörzentrale" nur ein weiterer Schritt einer Reihe konsequenter Maßnahmen (Ausschnitt):

  • Vorratsdatenspeicherung
  • Telekommunikationsüberwachung
  • Heimliche Online-Durchsuchung
  • Verdeckte Wohnraumdurchsuchung
  • Erweiterte Rasterfahndung
  • Großer Lauschangriff
  • Biometrische Pässe
  • Nutzung der Mautdaten
  • Fluggastdatenspeicherung- und Weitergabe

Eine Geschichte stört mich noch: Bundesabhörzentrale ist einfach kein guter Euphemismus. Das klingt viel zu negativ. Bundesnachrichtendienst statt "Zentrale für internationale Spionage" ist zum Beispiel viel zielführender. Ähnlich gut wie "arbeitssuchend" statt "arbeitslos", oder "Entsorgungspark" statt "Müllkippe". Aber das wird noch gerichtet. Ich bin sicher, wir werden schon bald statt "Abhörzentrale" vom "Bund des Vertrauens", oder der "Agentur zur sicheren Kommunikation" sprechen. Ganz nach dem Vorbild der "National Security Agency". Dann bleiben die Aufgaben zwar gleich, aber drastische Verharmlosung bringt halt nur einen Bruchteil der Bürger zum Denken. Persönlich fand ich ja "Staatssicherheit" als Name und "Informeller Mitarbeiter" für Angestellte auch nicht schlecht. Aber das ist langweilig, hatten wir schon. Obwohl: Eine moderne Mailadresse wie lolli@stasi.im hätte echt was für sich. Kann man sich wenigstens merken.

Was wir noch brauchen, das ist ein sauberer Anschlag: Ein paar hundert unschuldige Tote irgendwo, jeder muss das direkt auf sich selbst beziehen können: "Wenn ich in dem Zug gewesen wäre". Das macht solche Installationen wie eine Zentrale zur verdachtsunabhängigen Überwachung aller Bürger direkt symathischer. Noch ein passender Name und dann passt die Sache.

Zitat Hermann Göring, 1946:

Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.

Von: lolli

April 13, 2008

Gescheiterte IT-Großprojekte der Regierung

Große, prestigeträchtige IT-Projekte der Regierung neigen zum vollständigen Scheitern, erheblichen Verzögerungen und höheren Kosten als ursprünglich geplant. Eine kleine Sammlung:

  • Herkules. Modernisierung der Telekommunikationstechnik der Bundeswehr. Neuausstattung mit 300.000 Telefonen und 140.000 Rechnerarbeitsplätzen. Verhandlungen mit dem ersten Firmenkonsortium wurden abgebrochen, da die maximalen Betriebskosten von jährlich 665 Millionen Euro / Jahr nicht eingehalten werden konnten. Das mit einer ursprünglichen Summe von 6,65 Milliarden Euro angesetze Projekt wird nun für Plankosten von 7,3 Milliarden Euro umgesetzt (an dem Konsortium ist der Bund mit 49,9% beteiligt), der Abschluss ist für 2015 geplant. Der Bundesrechnungshof moniert, das Projekt sei 1 Milliarde billiger, wenn das Verteidigungsministerium die Realisierung selbst übernehme. Herkules gilt als größtes Outsourcing-Projekt der Regierung.
  • FISCUS. Einheitliche Software für die 650 Finanzämter Deutschlands. Das bereits 1993 begonnene Projekt wurde 2005 nach Kosten von über 900 Millionen Euro ergebnislos eingestellt. Die eigens gegründete fiscus GmbH wird liquidiert. Rechnungshöfe hatten FISCUS mehrfach scharf angegriffen. Nachfolger ist das Projekt KONSENS, an dem der Bund nicht mehr aktiv beteiligt ist. Es beruht auf der Weiterentwicklung der bestehenden Software der Finanzämter.
  • Elektronische Gesundheitskarte. Soll die Krankenversicherungskarte ersetzen, elektronische Rezepte ermöglichen, kritische Informationen zur Notfallbehandlung beinhalten und auf einem zentralen Serversystem basieren, und mehr. Siehe hier. Die Einführung wurde bereits um mehrere Jahre verschoben und ein Feldtest als komplettes Debakel eingestellt. Der nächste Feldtest mit 100.000 Karten wurde ganz abgesagt. Optimistische Kostenschätzungen gehen von 1,7 Milliarden Euro aus, eine Kosten-Nutzen-Analyse kommt auf 2,4 bis 3,6 Milliarden Euro Kosten für den Aufbau der Infrastruktur [Kritik].
  • Toll Collect. Entfernungsabhängige LKW-Maut auf Autobahnen und einigen Bundesstraßen. Das Projekt sollte ursprünglich Mitte 2003 starten. Wegen massiver technischer Probleme wurde der Start auf den 01.01.2005 verschoben, und ist erst seit Januar 2006 vollumfänglich in Betrieb. Derzeit werden gut 3 Milliarden Euro jährlich eingenommen. Die Kosten für Einnahmeausfälle von rechnerisch 5,1 Mrd. Euro wurden dem Betreiber gegenüber nicht durchgesetzt, stattdessen wurde das Entgelt für den Betrieb der Anlage um 14 Millionen Euro jährlich auf 556 Millionen angehoben. Die nach dem Informationsfreiheitsgesetz eingeforderten konkreten Verträge mit dem Betreiber bleiben in wesentlichen Teilen geheim, darunter auch die genauen Haftungsklauseln.
  • INPOL-neu. Länderübergreifendes Informationssystem (zB. zur Rasterfahndung) des BKA und der Polizei. INPOL-neu sollte das veraltete System INPOL ersetzen und wurde bereits 1992 gestartet. Dem ersten Dienstleister wurde 2001 der Auftrag entzogen und an ein anderes Unternehmen weitergegeben. Das System ging Mitte 2003 nach zweijähriger Verspätung vollständig in Betrieb. Bei einem ersten Probelauf 2001 kollabierte die Software bereits nach wenigen Minuten, kurze Zeit später stand das komplette Projekt vor dem Aus. Nur durch Reduzierung des Funktionumfangs und der Komplexität konnte das Projekt gerettet werden. Laut Focus sind zu den vorgesehenen Kosten von 50 Millionen Euro ca. 70 dazugekommen.
  • POLIKS. Polizeiliches Informationssystem des Landes Berlin (Anzeigen, Personen- und Fahrzeugabfrage, Schnittstellen zu anderen Systemen, ...). Das 73 Millionen Euro teure System wurde nach fünf Jahren Entwicklungszeit, Verzögerungen und erhöhten Kosten im März 2005 eingeführt. Die massiven Probleme seit der Inbetriebnahme haben bereits zur vierten Überarbeitung mit teilweise starken Veränderungen geführt. Bis heute funktioniert das System nicht reibungslos, eine einfache Anzeigenaufnahme dauert bis zu 90 Minuten, die Polizeigewerkschaft fordert den Umstieg auf Linux.
  • DiPlaZ. System zur Diestplangestaltung der bayerischen Polizei. Das System wurde nach mehrjähriger Verzögerung und Belastungen in Millionenhöhe von der Landesregierung komplett eingestellt.
  • A2LL. Verwaltungssoftware für die Vergabe des Arbeitslosengeld II. Der primäre Dienstleister gab die Realisierung an eine Drittfirma weiter. Die geplanten Kosten wurden bereits im September 2006 mit 48 Millionen Euro um den Faktor fünf (!) überschritten. Die nicht termingerecht ausgelieferte Software verursacht bis heute massive Schwierigkeiten in den Ämtern (Beispiel), der zusätzliche Zeitaufwand wird auf eine jährliche Belastung von 230 Millionen Euro geschätzt. Die Bundesagentur für Arbeit verlangt fünf Millionen Euro Schadenersatz vom Betreiber. Mehr ist auf Grund von Haftungsbeschränkungen im Vertrag nicht möglich. Das auch unter Datenschutzaspekten bedenkliche Projekt soll nun bis 2013 gegen ein Neuentwicklung namens Allegro ersetzt werden.
  • Jobbörse. Auch ein zweites Projekt der Bundesagentur für Arbeit hat zunächst massive Probleme bereitet: Die Online Jobbörse, bei der von erhöhten Kosten, über Korruptionsverdacht bis zum Totalausfall alles dabei war.
  • Digitaler Behördenfunk. Während alle Länder Europas (bis auf Albanien) bereits vor Jahren von analoger Technik auf digitale Funksysteme für den Behördenfunk (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, ...) umgestiegen sind, ist die Inbetriebnahme in Deutschland optimistisch für Ende 2010 geplant. Ex Bundesinnenminister Otto Schily hatte 2005 nach jahrelangen Querelen (Beginn der Planungen 1995) den Auftrag zum Aufbau und Betrieb des Netzes an einene Dienstleister abgeben, der mit einem Angebot von 5,1 Milliarden Euro die geplanten Kosten von 4,5 Mrd. Euro aber nie einhalten konnte. Dem Anbieter wurde daher im Dezember 2006 der Auftrag entzogen. Im Juni 2007 wurde beschlossen, die neu gegründete Behörde BDBOS mit der Organisation des Aufbaus und der Wartung des Netzes zu betrauen. Für die Infrastruktur sind zur Zeit noch drei Bewerber im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung im Rennen. Gerüchten zufolge ist der flächendeckende Betrieb nicht vor 2013 möglich.

Von: lolli

March 19, 2008

BVerfG: Eilentscheidung Vorratsdatenspeicherung

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung  hat anfang des Jahres einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht zur Einstellung der Vorratsdatenspeicherung eingereicht. Die Hauptklage mit über 34.000 Beschwerdeführern ist kürzlich gefolgt.

Das BVerfG hat heute eine erste Enscheidung zum Eilantrag getroffen. Das Gesetz an sich ist nicht vollständig gekippt, aber eingeschränkt worden. Darus leiten sich zunächst folgende Konsequenzen ab:

  1. Die Daten dürfen zunächst verdachtsunabhängig gespeichert werden. Der Zugriff durch Ermittlungsbehörden ist aber nur beim konkreten Verdacht auf schwere Straftaten erlaubt.
  2. Die Bundesregierung hat die Auflage erhalten bis zum 1. September einen Bericht über die praktischen Folgen der Vorratsdatenspeicherung vorzulegen. Auf dessen Grundlage wird dann das BVerfG ein endgültiges Urteil fällen. Dieses Urteil wird gegen Ende des Jahres erwartet.

Damit verschafft sich das BVerfG genügend Zeit, um die Klage Irlands gegen die EU-Richtlinie zur verdachtsunabhängigen Speicherung vor dem Europäischen Gerichtshof abzuwarten. Diese EU-Richtlinie bildet die Grundlage für die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. Somit hat ein Urteil in diesem Prozess auch Auswirkungen auf die rechtliche Grundlage in Deutschland.

Bisher ist die Vorratsdatenspeicherung "nur" für Telekommunikationsanbieter seit dem 1.1.2008 in Kraft. Internetprovider müssen nach dem bisherigen Gesetz die Speicherung der Verbindungsdaten erst ab dem 1.1.2009 umsetzen. Welche Auswirkungen die Einschränkung des BVerG dort haben wird ist noch nicht klar. Nach wie vor sind aber nach Ansicht des BMJ Provider verpflichtet, im Rahmen von Abrechnungsdaten erhobene Verbindungsinformationen herauszugeben, zum Beispiel auch im Falle von Urheberrechsverletzungen.

Von: corvus

March 04, 2008

Handy vs. Skype

Auf meiner Reise durch die Welt hatte ich nicht nur viele schoene Erlebnisse, sondern auch so meine Probleme, mein schlimmstes war wohl der Verlust meines Photohandys Sony Ericsson k800i, mit dem ich auf der Reise fotografiert habe. Dieses besagte Handy habe ich ohne vorhandene Sicherungskopie, dafuer mit 560 vorhandenen Photos in Bagan (Myanmar/Birma/Burma) verloren, oder es ist mir geklaut worden. So genau kann ich das leider nicht sagen, aber mehr dazu in meinen folgenden Reiseberichten. Nach einem solchen Verlust findet man erst einmal alles ganz furchtbar schrecklich Scheisse und will wieder nach Hause an die muetterliche Brust. Schliesslich findet man aber nach einigen Tagen seinen Verstand wieder und macht sich ueber die naehere technische Zukunft so seine Gedanken.

Mein aktueller Stand der Technik:

  • PC = Deluxe Version mit allen Spielereien
  • Schlepptop: P4, 17", 5kg, 1h Akku. Fazit: Passt nirgends wo rein, aber ich kann Menschen damit erschlagen, einerseits durchs Gewicht, andererseits mit der produzierten Stromrechnung...
  • Handy: Schnellersatz in Form eines Steinzeit Nokias fuer 22 Euronenkrieger aus Bangkok.

Handy:
Ich denke man sieht hier eindrucksvoll meine beiden Schwachstellen. Nach meinem Handyverlust lag der Fokus zunaechst einmal darauf. Nun gut, wir leben im 21. Jahrhundert, es sollte mittlerweile auch Handys geben die mein Technikerherz erfreuen. Zudem hoert man immer mehr von diesem OpenMoko-Projekt (Linux-Smartphone) [1][2] und siehe da, erste Handys sind auch schon erhaeltlich und es sieht auch noch ansprechend aus:
Neo1973 [3][4]

Es gibt nur ein paar Probleme. Zunächst einmal kostet wie jedes neue Handy 300 Euro, dann ist es seit Wochen im Internet ausverkauft, im Laden gibts es noch nicht, und die Software ist noch immer Entwicklungsstadium und schlicht nicht für Normalanwender reif.

Notebook:
So wie der Zufall es will, bin ich in Bangkok ueber dieses schnucklige Teil hier gefallen:
Asus EEE PC 4G Subnotebook [5][6]

Ein Subnotebook mit vorinstallierten und scheinbar extrem gut angepassten Xandros-Linux. Fuer Untermenschen ist es auch WinXP kompatibel, nein euer Vistascheiss laeuft darauf nicht! Denn wie ich zu sagen pflege, braucht man, abgesehen vom unendlichen RAM-Speicherbedarf, mindestens nen Dualcore, ein Herz fuer Vista und eins fuer alles andere... Hasta la Vista Baby [7]

Nun das Geraet liefert einige imposante Vorteile: Er wiegt unter einem Kilo ist mit seinen 7" natuerlich super klein und seine Akkulaufzeit soll ca. 3h betragen. Fuer unsere Linuxfreunde ist natuerlich auch vorgesorgt. Alle anderen Linuxvarianten lassen sich selbstverstaendlich ohne Probleme draufspielen, ich denke nur mit Gentoo wird man recht schnell in seine Grenzen, 4 GB Flashspeicher, gewiesen werden. Diese Grenzen sind auch das groesste Problem des EEE. Abhilfe sollte hier das 8G-Modell (mit 8GB) schaffen, welches allerdings noch nicht auf dem Markt ist. Scheinbar kommt er jetzt gar nicht mehr... Auf heise.de wird jedenfalls nur noch das Serien- Nachfolgemodell angekuendigt:
Asus EEE PC 900 [6]

Handy vs. Skype
Aber wie um alles in der Welt komme ich jetzt eigentlich auf das Thema "Handy vs. Skype"?

Nun ich ziehe nach meiner Rueckkehr nach Dtl nach Berlin. In Krefeld hatte ich mein O2-Genion inkl. Homezone und Festnetzflatrate. Krefeld ist zwar nicht klein, dennoch hatte ich mit meiner zentralen Wohnlage und der recht zentralen Unilage nahezu ueberall meine Homezone-Flatrate. Das war natuerlich bis auf die Grundgebuehren von 25 Euro eine durchaus billige Angelegenheit. Allerdings verhaellt sich Krefeld/ Berlin von der Groessenordnung ca. 1/15. Damit werde ich garantiert nicht ueberall Homezone haben. Anders ist das mit WLAN. Die Dau und Nerddichte in Berlin ist gluecklicherweise ueberdurchschnittlich. Dies sind die beiden wichtigsten Faktoren fuer uneingeschraenkten WLAN-Zugang. Wie Netzpolitik und die Berliner Morgenpost Ende letzten Jahres berichteten soll es zudem irgendwann im naechsten Jahrtausend freies WLAN [8][9] in Berlin geben. Da dieser Auftrag aber bestimmt der Telekomtochter T-Systems zugesprochen wird, wird das Projekt ordentlich verkackt und Unsummen von Steuergeldern schlucken, die vermutlich besser in der Bildung investiert waeren...[10]. Dennoch bin ich dafuer!

Uneingeschraenkter Netzzugang liefert uneingeschraenktes Skypepotential. Mit integrierter Webcam, Micro und natuerlich Boxen ist der EEE perfekt zum Skypen ausgestattet. Einziges Problem bleibt die Akkulaufzeit und das Netz. In der Uni und zuhause bin ich eh immer am Strom- und im WLAN-Netz. Unterwegs muss ich halt jedesmal mein Notebook starten und mich in nen neues Netz einwaehlen. Phonieren und spazierengehen faellt somit ganz weg. Als Trost fallen somit auch die laestigen Anrufe in der U-Bahn/Bus weg! Nachrichten koennen mir auch im Offline-Zustand geschickt werden. Zum absoluten Notfall kann ich mein jetziges Steinzeithandy behalten und meinen jetzigen Vertrag online downgraden, dies geht gluecklicherweise fuer einen kleinen Bearbeitungsbetrag. Bleibt noch die Kostenfrage offen.

Kostenrechnung:
Hochgerechnet wird auf meine uebrige Handyvertragslaufzeit von 12 Monaten

Handyloesung:

  • Neues Handy 300 Euro
  • Handygrundgebuehr 25 Euro/ Monat = 300 Euro
  • Verschwendetes Geld fuer Steinzeithandy 22 Euro

= 622 Euro

Subnotebook:

  • Neues Subnotebook: Bangkok 220 Euro, Dtl. 300 Euro
  • Handygrundgebuehr 5-10 Euro/ Monat = 60- 120 Euro
  • Steinzeithandy 22 Euro

= 302- 442 Euro

Max. Kostenersparnis beim Subnotebookkauf: 320 Euro
Min. Kostenersparnis beim Subnotebookkauf: 180 Euro

Datenschutzbedenken:

Skype:
Skype hat sich ja in juengster Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert, da war die Geschichte, das die Windoofversion die Biosdaten der Nutzer ausliesst. Auch hinter der kosten- und werbefreien Nutzung steht immer noch ein grosses 'Wie finanziert ihr euch denn sonst?' - Fragezeichen [11] [12].  Die Skypenutzung basiert auf einem anonymen Acc, sofern man nicht die Creditkarten-ich-darf-jetzt-auch-ins-Festnetz-telephonieren-version nutzt. Skypetelephonate lassen sich zudem verschluesseln und durch die Linuxnutzung und den I-netzugang ueber freie W-lan netze entkomme ich sowohl der Vorratsdatenspeicherung als auch dem Bundestrojaner.

O2:
Ich habe Ihnen lange vertraut und werde das auch weiterhin tun muessen. Auch wenn der Apfel vermutlich nicht weit vom Stamm faellt. Wenn die britische Regierung schon in einer Tour Daten verliert, sieht das bei den Unternehmen wohl nicht viel besser aus. Auch durch die angelaufene Vorratsdatenspeicherung bin ich froh auf dieses Medium bald nur noch sehr beilaeufig angewiesen zu sein...

Fazit:
Ich hab kein 'aktuelles' Handy und mein alter Handyvertrag ist quasi nutzlos, allerdings laesst er sich downgraden. Ich hab nen ordentlichen Rechner, also brauch ich nur nen Subnotebook. Das Subnotebook ist klein und wiegt wenig. Meine Erreichbarkeit wird kaum spuerbar eingeschraenkt, da ich das Notfallhandy behalte. Vom Datenschutz her bin ich auf der sicheren Seite und ich spare ein Haufen Geld.

Hach, soviel geschwätzt, dabei wollte ich doch nur sagen: Ich finde den Asus EEE PC genial und will auf jeden Fall einen haben! 

[1] http://www.openmoko.org/
[2] http://www.heise.de/newsticker/meldung/91868/from/rss09
[3] http://www.openmoko.com/products-index.html
[4] http://wiki.openmoko.org/wiki/Neo1973/de
[5] http://eeepc.asus.com/global/product.htm
[6] http://www.heise.de/newsticker/meldung/104405
[7] mangoomangoo.de greenpeace_erklart_windows_vista_zur_schrottmachine
[8] netzpolitik.org/2007/spd-will-freies-wlan-fuer-berlin/
[9] www.morgenpost.de/content/2007/10/26/berlin/928591.html
[10] netzpolitik.org/2007/gruene-berlin-gegen-freies-wlan/
[11] http://www.berlecon.de/research/spotlights.php?we_objectID=327
[12] www.heise.de/newsticker/meldung/84955

Von: mongo