August 02, 2008

AdvFS unter GPL

HP hat AdvFS unter die GPL gestellt.

Achtung Technik: AdvFS ist ein ursprünglich von DEC (aufgekauft von Compaq, aufgekauft von HP) entwickeltes Filesystem für Tru64 auf Alpha Maschinen.

AdvFS hat einige interessante Möglichkeiten, die bisher beispielslos in der Linux Welt sind. Dazu gehört Hot-Snapshot-Fähigkeit und transparente Verteilung des Filesystems über mehrere Storage Geräte. Vergleichbar zu sowas ist meines Wissens nach nur ZFS, das auf Grund von Lizenzproblemen nicht Einzug in den Linux Kernel halten wird (höchstens per FUSE).

Angeblich hat HP einen Marktanteil von über 35% bei Linux Servern. Daher hat die Firma ein Interesse an der Weiterentwicklung von Linux und stellt nun ein ausgereiftes Filesystem mit coolen Features unter die GPL. HP erhofft sich die Implementation von Teilen in andere Filesysteme und stellt zwei Varianten zur Verfügung: Eine stabile und in der freien Wildbahn eingesetzte, und eine zweite fertige, aber nicht als stabil getestete Version mit neuen Features.

Für mich ist die Handlung HP's auch die Unterstützung einer These: Betriebssysteme, und dazu gehören auch Filesysteme, haben heute eine Komplexität erreicht, die es auch weltweit agierenden Firmen schwer macht, stabile Versionen für unterschiedliche Anwendungsbereiche mit noch angemessener Manpower zu entwickeln. Es bleibt immer weniger Marge um Geld in neue und tragfähige Konzepte zu stecken. Dieser These folgend ist es Microsoft zum Beispiel hoch anzurechnen, das die mit Vista es überhaupt noch geschafft haben ein halbwegs funktionierendes Betriebssystem auf die Beine zu stellen. Und Ihr neues Filesystem (WinFS) haben die dennoch zugunsten einer termingerechten Auslieferung einstellen müssen, und setzen weiterhin auf NTFS.

HP erhofft sich mit der Freigabe von AdvFS die Integration in Linux, eine interessierte Entwicklergemeinde und damit das Weiterleben dieses Filesystems in direkter Konkurrenz zu ZFS. Für Linux kann die Freigabe einer solch mächtigen Codebasis nur gut sein. Mal sehen was die Zukunft bringt.

Von: lolli

August 02, 2008

Symbian OS befreit

Das auf vielen Smartphones beliebte Symbian OS (Marktanteil lt. wikipedia 80%) wird von Nokia gekauft und unter Obhut der neu gegründeten Symbian Foundation Stück für Stück als Open Source freigegeben. Nokia will diesen Prozess innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen haben.

Ich begrüße diesen Prozess. Meines Erachtens ist ein Schlüsselproblem aller Handyhersteller die Software: Während in der Hardware Telefone zu immer mehr Möglichkeiten gebracht werden hinkt die Software hinterher. Das beschränkt sich nicht allein auf mangelnde Benutzerfreundlichkeit. Durch sinkende Margen können Hersteller nur noch wenig Energie in die Software stecken. Für mich ist daher die Freigabe der Software einer freien Entwicklergemeinde ein logischer Schritt.

Mal sehen wie sich das weiterentwickelt: In der Hardware haben wir nun endlich das erste Modell eines freien Smartphones mit dem Model Freerunner aus dem OpemMoko Projekt verfügbar. Insgesamt scheint sich die Branche langsam aber sicher zu öffnen. Ich finde das gut, ich will mein Handy hacken können, ich will Firefox und mplayer im Handy haben und eine anständige Kontaktverwaltung integrieren können mit der auch mein Arbeitsplatzrechner zurecht kommt und ablgleicht!

Von: lolli

August 02, 2008

Big Buck Bunny

Zweiter Wurf der Blender Foundation: Nach Elephant's Dream steht mit Big Buck Bunny das zweite vornehmlich mit freier Software produziete Open Movie online. Blender ist als Animationssoftware das Produkt der Firma NaN, die nach dem Bankrott die Software für 100 Kilo Euro unter die GPL gestellt hatte. Dieses Geld wurde von der Blender Foundation aufgetrieben, die seit dem Dachorganisation der aktiven Entwicklergemeinde ist. Die Entwicklung des Films hat weitere Funktionen wie das Rendering von Fell gefördert und gibt den aktuellen Stand der Software wieder. Das Video ist amüsant und einen kurzweiligen Blick wert. Auf der Homepage ist es auch in sehr guter Qualität zum Download unter der CC Lizenz verfügbar.

Für mich ist es erfreulich auch professionelle Video- und Rendering Software unter der GPL zu finden. Vor einigen Monaten bin ich bei der Recherche nach brauchbaren Videoschnittanwendungen noch ziemlich auf die Nase gefallen, alles frei verfügbare hatte da eher den Flair von Bastelkram. Inzwischen zeigt sich mit Cinelerra da aber vielleicht auch ein gangbarer Ausweg. Vielleicht kann man das Apple anbetenden Kollegen irgendwann mal als Alternative zu Final Cut schmackhaft machen?

Von: corvus

April 10, 2008

Zahlen zum Linux Kernel

Während ein komplettes Linux System aus tausenden Softwarepaketen wie Oberfläche, Browser, Office Suite oder Serverdiensten besteht, ist das eigentliche Herzstück der Linux Kernel. Dieser kümmert sich um Dinge wie die Kommunikation mit der Hardware, die Verteilung von Rechenzeit auf Programme, Netzwerke und die Ablage von Daten auf der Festplatte. Den eigentlichen Anwendungsprogrammen stellt er dazu Schnittstellen bereit, über die sie -unabhängig von der konkreten Hardware- Dateien öffen, Netzwerkkommunikation durchführen, Rechenzeit anfordern und vieles mehr durchführen können.

Der Kernel ist also aus Sicht von Anwendungen eine Abstraktionsebene. Ein Programm, das zum Beispiel ein Fenster darstellen möchte, muss sich so nicht direkt mit der speziellen Grafikkarte eines Systems rumschlagen, sondern kann über eine standardistierte Schnittstelle die Darstellung anfordern. Der Kernel kennt die jeweilige Hardware und vermittelt zwischen Anwendung und Hardware.

Der Linux Kernel ist das bekannteste Open Source Projekt überhaupt. Vielen Open Soure Projekte hängt aber der Ruf nach, Bastlersoftware von Laien zu sein, die von einer handvoll nicht- oder schlechtbezahlter Programmierer unproffessionell entwickelt und nicht nachhaltig gepflegt wird. Schön ist es daher, wenn Studien ab- und an mit solchen Vorurteilen aufräumen. Ein Beispiel ist die jüngste Studie der Linux Foundation:

  • Pro Tag kommen etwa 3600 Zeilen zum Kernel hinzu, 1500 werden entfernt und 1400 verändert.
  • Im Schnitt wird alle 80 Tage eine neue stabile Version veröffentlicht.
  • Seit 2005 hat sich die aktive Entwicklergemeinde auf rund 1000 verdreifacht, der Linux Kernel ist damit das größte verteilte Softwareprojekt der Welt.
  • 70 bis 95 Prozent der Entwickler führen die Arbeit hauptberuflich durch und werden dafür bezahlt, bei über 100 Firmen, darunter IBM, Intel, Red Hat und Novell.
  • Pro Jahr wächst die Codebasis des Projekts um 10%.
  • Der Linux Kernel verfügt über die mit Abstand breiteste Hardwareunterstützung aller Betriebssysteme am Markt, Kernelentwickler haben Schwierigkeiten überhaupt noch Hardware zu finden die nicht unterstützt wird.

Von: lolli

February 23, 2008

Du bist Bertelsmann

Da uns die

größte Social-Marketing-Kampagne in der Mediengeschichte

alle betrifft:

Nettoreichweite: 99,7%, d.h. wir erreichen jeden Deutschen und das in jedem Segment, ob jung oder alt, ob reich oder arm keiner kann sich dieser Kampagne entziehen

Und wenn schon

Kanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Ursula von der Leyen bei der Präsentation des zweiminütigen Kampagnenspots "ein paar Tränchen verdrückt" haben.

Dann sollten wir wenigstens wissen worum es geht, wenn Bertelsmann unter dem Titel „Du bist Deutschland“ - diesmal unter dem Motto „Gemeinsam für ein kinderfreundliches Deutschland“ erneut damit beginnt, uns mit seiner volkserzieherischen Feel good Kampagne zu beglücken.

Aber befassen wir uns mit der Kampagne selbst. Der Sinn und Zweck ist dabei etwas diffizil. Eine Kampagne mit solchem Budget könnte in der Politik ein Erdbeben auslösen, ohne Frage. (...). Aber genau das will die Kampagne dezidiert nicht. Was sie will ist vielmehr etwas anderes. Das offenbart sich auch schon im Bild: schöne, deutsche und weiße Kinder aus reichen Akademikerhaushalten blicken vom Zelluloid herab. Migranten- oder arme Kinder? Fehlanzeige. Alleinerziehende? Problemfamilien? Nichts von alledem. (...) Viel Schlimmer aber wiegt die eigentliche Botschaft der Kampagne, die angesichts der Initiation durch die Bertelsmann'schen Thinktanks nicht verwundern darf und geradezu dem neoliberalen Handbuch zu entspringen scheint: nicht der Staat hat hier durch vernünftige Familien- und Sozialpolitik etwas zu regeln, sondern die Menschen individuell und eigenverantwortlich (und damit letztlich im freien Friss-oder-Stirb-Wettbewerb stehend) dagegen vorzugehen. Jeder für sich und gegen den anderen. Die schöne neue Welt,(...) eine sozialdarwinistische Utopie derer, die es sich leisten können, die mit Werbemillionen im Hochglanzpaket unter das Volk gemischt werden soll.

Passend dazu formuliert Telepolis:

Die Kampagne hat also durchaus staatstragende Bedeutung. Das gilt auch unter der Perspektive, dass es generell die billigste Lösung für Probleme der Gesellschaft wäre, wenn sich die Menschen selbst um sie kümmern würden. Dann würde sich zwar die Frage stellen, was eigentlich der Staat dann noch tut, die Wirtschaft könnte sich jedoch noch stärker ihrer gesellschaftlichen Pflicht entziehen, ohne dass dadurch der soziale Frieden gefährdet wäre.

Hier in voller Länge die bei Wikipedia unter „Social-Marketing“ aufgeführten Kritikpunkte:

Organisationen, die nicht demokratisch legitimiert sind, aber über die entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen verfügen, können so ihre Machtposition missbrauchen, um mit gesellschaftlichen Umerziehungsaktionen ihre partikulären Interessen durchzusetzen. Parlamente werden so übergangen und demokratisch gewählte Repräsentanten werden unter dem Druck der manipulierten Öffentlichkeit zu Getriebenen, denen Debatten aufgezwungen und Lösungswege diktiert werden. Insofern kann "Social-Marketing“ als „demokratiegefährdende Mitregierung nicht-staatlicher Organisationen und als Indiz für eine entscheidende Schwächung staatlicher Souveränität“ gewertet und als „ein süchtigmachendes Gift für die liberale Demokratie" kritisiert werden.

Gunter Thielen (Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG) meint, dass sich – natürlich wissenschaftlich belegt - nach der ersten Kampagne 10 Millionen Menschen "besser gefühlt" hätten als vorher und man sich jetzt das ehrgeizige Ziel gesetzt hat 20 Millionen Deutsche positiv beeinflussen. Bleibt uns nur zu hoffen das nicht Irgendwann Bertelsmann alle Deutschen glücklich gemacht hat.

Von: corvus

January 20, 2008

Datenschutz in Großbritannien

Nicht nur das es fraglich ist, inwieweit Videoüberwachung Gewalttaten verhindern kann, auch stellt sich mir die Frage, wie mit den Daten, die da so fleißig gesammelt werden, umgegangen wird. Die Briten zeichnen sich ja momentan dadurch aus, dass sie wunderbar vorsichtig mit den Daten ihrer Bürger umgehen:

Für alle die jetzt meinen "und was soll da schon passieren?"

Bitte hier klicken

Und das wo es so schwer und teuer wäre die Daten wenigstens zu verschlüsseln...

Da drängt sich mir doch die Frage auf, wie dann wohl mit "weniger wichtigen" Daten wie zum Beispiel denen von Überwachungskameras umgegangen wird. Aber auch hier sind die Briten ganz weit vorn, so ist es in manchen Stadtteilen möglich, die Nachbarschaft gemütlich vom Sofa aus zu überwachen, und bei Bedarf einfach eine E-Mail an die Polizei zu schicken.

Schöne neue Welt, wir sind schon im Jahr 1985 angekommen, wir brauchen keinen großen Bruder mehr, das machen wir selber, wo kämen wir denn sonst hin.

Vielleicht doch besser nach China auswandern, da empört es noch jemanden wenn Videoaufnahmen aus der U-bahn im Internet landen.

Von: corvus

January 12, 2008

Grundrecht Intim - Artikel 18 GG

Damals, beim Bund, habe ich in der Grundausbildung eine Ausgabe des Grundgesetzes erhalten. Eine Sache, die ich der Bundeswehr noch immer positiv anrechne! Einige Zeit ist es dann in meinem Buecherregal vergammelt, bis ich es irgendwann in meiner Nasszelle, praeziser gesagt: griffbereit neben dem Klo, deponiert habe.

Seit dem ist dies immer wieder Einstieg in Diskussionen mit Gaesten, die beim Nachgehen ihrer Beduerfnisse, "zufaellig", teilweise zum ersten mal, im Grundgesetz lesen. Das Grundgesetz laesst sich uebrigens hier nachlesen, und hier in gedruckter Form kosten- und portofrei bestellen.

Heute bin ich beim Kacken Zaehneputzen mal wieder ueber Artikel 18 gestolpert:

Artikel 18 [Verwirkung von Grundrechten]
Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Absatz 1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Absatz 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.

Prima. Also mal gesetz den Fall, das Bundesverfassungsgericht saegt die Vorratsdatenspeicherung (zB wg. Artikel 5 und 10) mit Pauken und Trompeten ab: Theoretisch koennte man meinen, das alle Bundestagsabgeordneten, die dafuer gestimmt haben, offensichtlich verfassungsfeindlich agieren, und damit diese Grundrechte verwirkt haben. Waere doch super: 3/4 des Parlaments direkt mal weg. Ist ja schliesslich untragbar, eine Regierung, die gegen unsere Grundrechte zum Kampf gegen die demokratische Grundordnung agiert, oder?

Ungluecklicherweise bin ich kein Jurist, und werde daher vermutlich erst bei einer der naechsten "Sitzungen" ueber einen Paragraphen stolpern, der mir den gesonderten Schutz der Parlamentarier offenbart, so dass man sie dann wohl doch nicht zur Rechenschaft ziehen kann. Ich bin aber auf jeden Fall mal gespannt, was bei der Verfassungsklage gegen die Vorratsdatespeicherung hinten rauskommt.

Von: lolli

December 16, 2007

Launch schwarzbu.ch

Mit diesem Post ist die Site schwarzbu.ch offiziell freigegeben.

Ziel sind neben einem Blog mit Politik- und Datenschutzthemen Howtos und Knowledgetransfer im Bereich Linux und TYPO3, auf denen auch diese Site basiert.

Technik: Die Site besteht im wesentlichen aus einer Kombination von timtab und zugehoerigen Extensions, kombiniert mit klassischen Typo3 Erweiterungen. Alle kritischen Probleme sind geloest, eine ToDo zur Dokumentation kleinerer Macken existiert aber noch. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch relativ wenig Seiten, ein Anfang wird aber mit einem Howto zu timtab in den naechsten Tagen folgen. Fuer die Stats: Bereits jetzt besteht die Site aus ueber 1000 Zeilen css, mehreren hundert Zeilen TypoScript und einer durchdachen Grundkonfiguration per User / PageTS fuer Backenduser. Vielleicht werden mit der Zeit einige der interessanteren Stellen hier dokumentiert.

Fuer Entwickler wird vielleicht der ein- oder andere Klick in den Source und den css der Site interessant sein, nutzt was immer Ihr wollt, klaut aber bitte nicht exakt dieses Layout. Die Seite ist technisch imho auf dem Stand der Dinge und spiegelt einen Teil meines Adminwissens wider.

Die Site ist rss-faehig und kann durch diesen Link Eurem Newsreader beigebracht werden.

Autoren einzelner Artikel werden neben mir noch mindestens ein Freund sein, dessen aktuelle Weltreise jedoch die Postfrequenz gering haelt. Vielleicht wird er aber die ein- oder andere interessante Anekdote in den naechsten Wochen posten.

Dank gilt Niwi, ohne dessen Hilfe ich vermutlich noch immer an einigen Details verzweifeln wuerde, und ohne dessen Kritik Abstriche im Layout zu machen waeren. In Sachen Layout geht auch noch ein grosses Danke an jben, dem das Design zu verdanken ist. Ich hoffe die Site gefaellt Euch zumindest schonmal optisch genauso wie mir.

Von: lolli