Virales Marketing bedient sich sozialer Netzwerke, um auf Produkte aufmerksam zu machen. Die Idee ist simpel: Ein witzig gemachter Spot, ein lustiges Bild, frei verfügbar ins Netz gestellt, wird von Benutzern betrachtet, weiterverbreitet, verlinkt, kurz: erhält Aufmerksamkeit. Der Inhalt verbreitet sich also virusartig, "viral".
Das hat schon häufig funktioniert: Das von mir kürzlich verlinkte Video zum Mixen eines iPhones ist eine virale Kampagne des Mixerherstellers. Und sie funktioniert. Die Videos bekommen massig Klicks auf Youtube, und wer von den Consumern jemals einen neuen Mixer benötigt, wird sich sicher an diese Firma erinnern. Beispiele gibt es viele, spontan fallen mir die "Wazzzup" Werbung eines Bierherstellers, und auch die Moorhuhn Spiele von Jack Daniels ein.
Viele Kampagnen bedienen sich dabei ähnlicher Mittel:
- Eine neue Idee, die man so noch nicht gesehen hat
- Möglichst witzig gemacht
- Das Produkt selbst steht nicht im Vordergrund
- Auf Laienhaftigkeit getrimmte Spots
Einige Werbeagenturen haben sich auf diese Art des Marketings spezialisiert, neben dem initialen Werbeprodukt werden Blogs veröffentlicht die das Thema aufgreifen, in Kommentaren wird der Spot (das Bild, Spiel, ...) verlinkt, bei Social Bookmarking Diensten werden gezielt Links gesetzt. Mit allen Mitteln wird das Thema in Suchmaschinen gepusht. Wenn die Agentur erfolgreich ist, greifen Blogger, Medien und die halbe Internetwelt das Thema selbständig auf, und multiplizieren damit die Aufmerksamkeit. Die Manipulationsmöglichkeiten sind dabei enorm: Mindestens große Firmen haben Angestellte, die gezielt Inhalte in Foren / Blogs / Wikis schreiben, um zB. das Image eines Herstellers zu beeinflussen, oder bestimmte Themen online zu halten. Ich bin zB. sicher, das es Hersteller gibt, die gezielt in den Kommentaren von heise spammen. Firmen, Politiker, Staaten, Promis manipulieren gezielt Ihre Artikel bei wikipedia, um unschöne Dinge nicht länger darin dokumentiert zu sehen.
Natürlich kann dieser Schritt auch nach hinten losgehen: Die FDP in Hamburg hat durch eine "auf virales Marketing spezialisierte Agentur" im Rahmen des Wahlkampfes versucht, einen Werbespot Bloggern schmackhaft zu machen: Mit gefakten gmx-Accounts wurde Spam an Blogger versandt nach dem Motto: "Guck Dir das mal an, wäre das nichts für Dein Blog?". Unglücklicherweise hat die Agentur wohl nicht damit gerechnet, das ob des stinklangweiligen Spots Blogger nicht nur nicht verlinken, sondern stattdessen mal hinterher recherchieren. Die FDP hat damit schön tief ins Klo gegriffen, und sich so noch viel unseriöser und dilletantischer gemacht, als sie sowieso schon ist. Anstatt mal knallharte Themen wie Privatssphäre, Datenschutz, soziale Probleme oder ähnliches aufzugreifen, und damit vielleicht tatsächlich mal ein paar Wählerstimmen zu holen, beschränkt sie sich lieber auf so einen Schwachsinn.
Naja, die Internetcommunity hat das Video dann doch aufgegriffen, und durch eine neue Synchronisation den Werbespot doch noch zu einem viralen Erfolg gemacht. Vielleicht nur nicht mehr ganz im Sinne der FDP:
Update: Die FDP hat das Video von youtube entfernen lassen. Die verstehen auch gar keinen Spaß. Vielleicht ist die Partei ja etwas angefressen, weil sie im Gegensatz zu den Linken die 5% Hürde nicht gepackt hat. Das Video hatte in den paar Tagen über 18.000 Downloads.