May 17, 2008

GEZensiert

Leider hatte ich in den letzten Monaten das Missvergnügen, Details bei Privatsendern und abhängigen Produktionen kennen zu lernen. Im Fazit ist das Maß an Widerwertigkeiten, Geldgier, schlechten Inhalten und übelkeitserregenden Produktionen nur noch schwer zu toppen. Das System unserer privaten Medienlandschaft ist so abartig, dass sich kein normalsterblicher Bürger auch nur im Traum ein Bild davon machen kann.

Daher zahle ich mit Freuden meine GEZ Gebühren. Da läuft zwar auch nicht alles mit rechten Dingen zu, aber wenn Sender wie arte und phoenix, Sendungen wie Monitor, extra3, PlusMinus, die Tagesschau und co. davon finanziert werden ist es mir das wert.

Akut machen sich Lobyisten der privaten Medienlandschaft massive Sorgen, wenn öffentlich rechtliche Sender anfangen Inhalte ins Netz zu stellen und unabhängig von geschäfftlichen Interessen verfügbar machen. Bestochene und von finanziellen Interessen durchsetzt agierende Politiker versuchen daher die Veröffentlichung von öffentlich rechtlichen Sendern zu deckeln und massiv einzuschränken.

Meine Meinung dazu ist klar und simpel: Ich zahle mit meinen GEZ Gebühren für die Produktion und Bereitstellung von unabhängigen Inhalten. Daher erwarte verlange ich auch die zeitlich unbegrenzte Veröffentlichung und freie Verwendung der produzierten Inhalte im Internet. Mediatheken auf sieben Tage zu begrenzen ist eine reine Lobbyistenforderung, ein Tribut an schlechte Inhalte. Im Gegensatz dazu fordere ich die Bereitstellung aller von mir finanzierten Inhalte auf unbegrenzte Zeit im Internet.

Daran ist nicht viel falsch zu verstehen: Ich zahle die Produktion, das sind meine Inhalte, ich will das gefälligst unbefristet im Netz stehen haben. Jede andere Regulierung ist geprägt von vollständig korrupten und nach wirtschaftlichen Vorteilen gierenden Entscheidungsträgern. Eine Einschräkung der öffentlich rechtlichen Sender in ihren Internetangeboten bedeutet auf Dauer den Abrutsch in die Bedeutungslosigkeit. Sollen sich Private bitteschön anstrengen Inhalte zu liefern die es auch wert sind betrachtet zu werden, dann werde ich die auch gern besuchen.

Von: lolli

March 27, 2008

Rant: Contentmafia

Der Musikindustrie bricht ja bekanntlich auf Grund vergammelter, obsoleter Marktmodelle die Kundschaft weg. Viele untergehende Geschäftsmodelle beschäftigen sich in den letzten Jahren ihrer Existenz mit dem Verklagen der Käufer.

Die Contentmafia gibt sich auch nach jahrelangem Versagen apokalyptischen Maßes nicht mit dem schnöden Untergang zufrieden, sondern mahnt erst noch ihre potentiellen Kunden massenhaft ab. Man tut sich also mit sympathischen Anwälten zusammen, die sich besonders im Abmahnrecht beliebt gemacht haben, und stellt nach Beobachtung von Tauschbörsen Anfragen an Staatanwaltschaften zur Ermittlung des zur IP gehörigen Opfers. Das spült Geld in die Kasse, auf dem Rücken der Künstler und Kunden.

Der Wuppertaler Staatsanwaltschaft wird das nun zuviel. Nach eigenen Angaben hat diese allein im Januar / Februar 2008 über 2000 IP-Adressen zur Ermittlung des Anschlussinhabers erhalten. Jede Provideranfrage beläuft sich dabei ca. auf 20 Euro. Das summiert sich allein schon auf 40.000 Euro zu Lasten des Steuerzahlers. Die Staatsanwaltschaft bearbeitet diese Anfragen nun nicht mehr:

"Nach hiesiger Auffassung wäre die Aufnahme von Ermittlungen bereits unverhältnismässig, da die Tatverdächtigen in den Tauschbörsen keinerlei finanzielle Interessen verfolgen", teilte Wolf Baumert, Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Wuppertal, nun mit. Es gehe der Musikindustrie nicht um eine Bestrafung der Tatverdächtigen, "sondern um die Ermittlung der Nutzernamen, um Schadensersatzansprüche geltend zu machen oder nachträgliche Abmahnungen zu erteilen".

Meine Forderung an die Contentmafia ist simpel: Ich will ein anständiges Flatrate Angebot im Netz, bei dem ich für einen monatlichen Obolus auf das komplette Musikarchiv (bzw. Filmarchiv) ohne Beschränkungen zugreifen kann, ohne DRM, Kopierschutz und sonstigen kundenunfreundlichen Schwachsinn. Sobald ein cooles Portal im Netz ist bin ich der erste Kunde. Wenn solch ein Musikportal dann noch mit Hintergrundinfos, anständiger Suchmaschine, guter Qualität und hübschen Web 2.0 Features aufwartet, dann wird es rocken (im wahrsten Sinne). Das bete ich nun schon seit Jahren und bekomme grundsätzlich Zustimmung von weiteren potentiellen Kunden. Angeblich ist Sony BMG hier auf dem richtigen Weg, mal sehen ob das was wird.

Wenn dann die Muskindustrie begriffen hat, daß man sich so auch zum Wohl der Kunden dumm und dämlich verdienen kann, dann kann es eigentlich nur noch Jahrhunderte dauern, bis die Filmmafia das dann auch noch rafft. Die nötige Bandbreite haben wir ja erst seit mehreren Jahren.

Von: lolli

February 12, 2008

Internetzensur Reloaded

In ungregelmäßigen Abständen versuchen Staaten immer wieder bestimmte unerwünschte Inhalte aus dem Internet zu entfernen, oder zumindest den Zugriff zu beschränken. China ist dabei ganz groß und sperrt den Zugriff auf große Teile des Netzes. Auch in Europa gibt es immer wieder Fälle, eine kleine Auswahl:

  • Arcor sperrt (zeitweise) Zugriff auf YouPorn.
  • NRW ordnet Sperrung rechtsradikaler Seiten an
  • Dänische Provider sperren AllofMP3

Alle diese Zensurmaßnahmen haben erstens fragwürdigen Hintergrund, und sind allesamt technisch einfach zu umgehen. Wer also ein verstärktes Interesse zum Beispiel am Besuch eines rechtsradikalen Forums hat, wird es auch schaffen. Technisch ist es im Netz nämlich praktisch nicht möglich Zugriffe zu sperren, es sei denn, man kickt den Server, der die Inhalte ausliefert, komplett aus dem Netz. Und das ist nicht immerg ganz einfach, insbesondere wenn so eine Maschine in Timbuktu steht.

Aktelles Beispiel ist thepiratebay.org: Der dänische Provider Tele2 Denmark wird per Order de Mufti dazu gezwungen den Zugriff auf diesen Bittorrent Tracker zu sperren. Es dauert keine zwei Tage, bis thepiratebay.org eine für Doofe verständliche Anleitung für Tele2 Nutzer veröffentlicht, wie man das umgehen kann. Fazit: The Pirate Bay ist wieder in den Medien, die Anweisung ist nichts weiter als Werbung für den Dienst.

Von: lolli

February 05, 2008

Volkssport Download

Die Geschichte ist nicht neu: Die Musikindustrie verkauft immer weniger Platten, das Indernett mit der ganzen "neuen" Technik sei dran schuld. Das Geschrei ist gross, mit allen Mitteln versucht die Contentmafia den laengst verlorenen Kampf auf rechtlichem Weg doch noch zu meistern.

Gerne linke ich an dieser Stelle auf den (laenglichen und bereits einige Jahre alten) Artikel von Janis Ian, analysierend aus Sicht einer Kuenstlerin. Noch immer lesenswert und aktuell: Die Musikindustrie ist noch keinen Schritt weiter. Stattdessen werden nach Ewigkeiten voellig kranke Marktmodelle entwickelt, waehrend andere Unternehmen wie Apple den Rang ablaufen.

Polylux hat in der letzten Sendung eine schoene Zusammenfassung, und fragt: Ist die Musikindustrie am Ende? Meine Antwort: Hoffentlich bald, wird langsam echt Zeit. Ihr haettet vor 10 Jahren mit nem anstaendigen Marktmodel echt rocken koennen, jetzt ist zu spaet. Und ja, auch schon zu Zeiten von napster haette Euch die Lage klar sein muessen. Bands wie Radiohead machen ihren eigenen Kram und verdienen sich unter Umgehung der Mittelsmaenner dabei (zurecht) dumm und daemlich, ohne das Ihr noch was davon abkriegt.

Ach, man koennte soviel dazu schreiben. Die Musikindustrie ist dabei in meinen Augen noch ein Stueck Vorreiter der Filmindustrie: Dort passiert exakt dasselbe, nur die Datenmengen sind halt etwas groesser. Dennoch kann der Normalo-User locker in wenigen Stunden aktuelle Filme aus dem Netz ziehen, und die hochaufloesend auf der eigenen Monsterglotze wiedergeben, waehrend an den Kinokassen die Euronen nicht mehr reinkommen. Reaktion der Filmindustrie: "Na, dann lasst und doch einfach die Downloader verklagen." Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Von: lolli

December 17, 2007

Die Contentmafia rafft es nicht

VG Media, die "Gesellschaft zur Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte" verlangt ab dem 1.1.2008 Verguetungen, wenn eine Internetseite die EPG-Informationen (in der Uebertragung enthaltene Programminformationen) bestimmter Sender (wie die etwa Sat1, VOX, RTL2) nutzt und online zugaenglich macht.

Die Homepage von VG Media widert einen mit einer vollstaendigen Flash Site an und offenbart, das die Gesellschaft offensichtlich stolz darauf ist Entgelte von Krankenhaeusern und Sporteinrichtungen verlangen zu koennen, da diese ja schliesslich auch Glotzen haben und anderen Menschen zugaenglich machen. Selbstvestaendlich wird dies gerne auch vor Gericht durchgesetzt. Die Unternehmung ist also aehnlich der VG Wort und der GEMA aufgestellt.

Bekannte Projekte wie tv-browser.org nutzen die uebertragenen EPG Informationen um vollautomatische Programmlisten zu erstellen. Die neue Pflicht dafuer Gebuehren abzufuehren zwingen das Projekt nun die entsprechenden Sender aus dem Index zu streichen.

Einmal mehr zeigt die Contentmafia damit Ihre Kurzsicht: Ich halte die EPG Informationen fuer einen Service der Sender gegenueber seinen Kunden. Bereits seit mehreren Jahren nutze ich EPG fuer eine Programmliste in meinem vdr. Ausgesprochen praktisch, seit dem habe ich keine Programmzeitschrift mehr gekauft. EPG ist fuer mich schlicht Werbung fuer einen Sender: Wird es mitgesendet und kann ich es direkt oder ueber ein Portal nutzen, habe ich eine Chance den Sender auch zu sehen und mich moeglicherweise sogar mit Werbung berieseln zu lassen. Wenn Seiten wie tv-browser.org diese Informationen nicht mehr nutzen koennen weil eine Firma Ihre unendliche Gier nicht unter Kontrolle kriegt, fuehrt dies schlicht und simpel nur dazu das weniger Personen den Sender sehen und damit weniger Werbung des Senders konsumiert wird. So einfach ist das.

Vielleicht sollten Sender, die von VG Media vertreten werden, einmal dieses Geschaeftsmodell ueberdenken. Ich jedenfalls wuensche diesem Modell den schnellen und vollstaendigen Untergang.

Von: lolli