August 02, 2008

Bei Anruf: Auflegen

Wer kennt es nicht: Einfach so klingelt das Telefon, man meldet sich mit einem freundlichen "Bist Du nackt?", und eine Stimme am anderen Ende erklärt freimütig den Gewinn einer prima Kreuzfahrt / Lottogewinn / Staubsauger oder einer kostenfreien Aktienbeteilgung an einer Müllkippe.

Wir reden also mal wieder von unerwünschten Anrufen durch dubiose Call Center. Nach den letzten Datenlecks könnten von manch einem ja schon fast Anrufe von ehemals seriösen Unternehmen als unerwünscht eingestuft werden. Was tun also bei solchem Schrott, wenn man wenigstens noch etwas Spaß am (Telefon)gerät haben will? Hier meine Top 4 Reaktionen, alle bereits getestet mit unterbezahlten, ausgebeuteten und armen Telefonakquisemenschen:

  • Weiterleitung an Frank geht ran: Frank informiert den Anrufer freundlich über die nicht erwünschte Kontaktaufnahme und beendet das Gespräch. Bei etwaigen Delinquenten sollte man bei Abgabe der Nummer (0163-1737743) möglichst vermitteln, dass die bisherige Nummer nur noch kurze Zeit gültig ist, man sich sowieso gerade auf dem Sprung befindet, und das die alte Nummer sofort gegen die Frank Nummer im Datenbanksystem ersetzt wird. Bei Erfolg hat man vor dieser Agentur Ruhe.
  • Gegenskript: Das Gegenskript (pdf) liefert eine Reihe von Fragen die man seinem unerwünschten Gesprächsteilnehmer stellen kann, wenn man gerade mal etwas Zeit und Lust für einen lustigen Disput am Telefon hat. Im Idealfall kann man dem verbalen Gegner am Ende zum Gewinn einer von der Krankenkasse gesponserten Teilnahme an einer psychologischen Betreuung beglückwünschen.
  • Wer es etwas ernster mag sollte bei ungebetenen Anrufen unbedingt die Nummer, den Namen der Firma und den Namen des Akquisedelinquenten abfragen und auf einer persönlichen Shitlist dokumentieren. Sollte die Nummer nicht übermittelt werden ist das illegal. Insgesamt ist die telefonische "Kaltkakquise" untersagt. Wenn man einen Teilnehmer freundlich aber bestimmt auf diese Tatsache hat man meistens keine Probleme mehr mit diesem speziellen Call Center. Natürlich sollte man das möglichst erst nach der Abfrage der Daten tun.
  • Auflegen. Im Zweifelsfall immer auflegen. Spätestens wenn der Teilnehmer die eigene Kontonummer anfragt oder man sonst keine Lust hat. Bei Anrufen von einer Bandansage gilt: Immer sofort auflegen, am besten bevor "Sie haben gewonnen" vollständig artikuliert werden konnte. Ggf. vorher die anrufende Nummer dokumentieren.

Von: lolli

March 27, 2008

Mailsignatur und Mailboxansage

Das law blog ist über eine schöne eMailsignatur gestolpert, welche die weitgehend unwirksamen Disclaimer ersetzen kann:

Bitte beachten Sie, daß dem [grundgesetzwidrigen] Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung zufolge, seit dem 1. Januar 2008 jeglicher elektronische Kontakt (E-Mail, Telefongespräche, SMS, Internet-Telefonie, Mobilfunk, Fax) mit mir oder anderen Nutzern verdachtsunabhängig für den automatisierten geheimen Zugriff durch Strafverfolgungs- u. Polizeivollzugsbehörden, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Zollkriminal- und Zollfahndungsämter, die Zollverwaltung zur Schwarzarbeitsbekämpfung, Notrufabfragestellen, Verfassungsschutzbehörden, den Militärischen Abschirmdienst, Bundesnachrichtendienst sowie 52 Staaten wie beispielsweise Aserbeidschan oder die USA sechs Monate lang gespeichert wird, einschließlich der Kommunikation mit Berufsgeheimnisträgern wie Ärzten, Journalisten und Anwälten. Mehr Infos zur totalen Protokollierung Ihrer Kommunikationsdaten auf www.vorratsdatenspeicherung.de.

Die Quelle ist ursprünglich das AK-Vorrat Wiki, beim Stöbern ist mir noch eine weitere schöne Formulierung zur Verwendung als Mailboxansage aufgefallen:

Vielen Dank für Ihren Anruf. Wir haben jetzt Ihre Telefonnummer, Anrufzeit und Ihren Standpunkt auf 50 Meter genau gespeichert. Hinterlassen Sie nach dem Signalton gerne weitere Daten. Wir sehen eh alles. Ihre Bundeskanzlerin und SPDCDU-Regierung.

Von: lolli

February 12, 2008

BitTorrent

Wo wir gerade bei Bittorrent sind: Was ist das eigentlich?

Bittorrent ist ein Pear to Pear Netzwerk. Der Download von Dateien funktioniert dabei mehrstufig: Jemand stellt aus Dateien einen sogenannten Torrent File her, der nicht die Dateien selbst, sondern nur "Zusammenfassungen" (Hashes) enthält. Diese (kleine) Torrentdatei wird einem "Tracker" hochgeladen. Der Tracker verfolgt nun, wer die zu diesem Torrent File zugehörigen Dateien besitzt, und gibt auf Anfrage Antworten heraus, von welchen Teilnehmnern sich Teile der Dateien beziehen lassen. Torrent bevorzugt dabei Teilnehmer, die Teile der kompletten Dateien mit hoher Bandbreite anbieten. Folge: Wer einen Torrent noch nicht komplett lokal hat, dafuer aber Teile davon schnell an andere User hochladen kann, wird selbst im Download bevorzugt. Das ist einer der Gründe, warum Bittorrent so gut funktioniert: Wer viel haben will, muss auch viel hochladen. Daher gibt es auch massig Torrents von Projekten, die nicht selbst über die erforderliche Bandbreite verfügen, oder die nicht bezahlen können. So etwa bei der offline Wikipedia DVD, oder unzähligen Linux Projekten. Generell gilt: Wenn Dein Inhalt interessant ist, dann werden es auch viele Leute für Dich verteilen.

Die Tracker sind dabei niemals im Besitz der Dateien selbst, sie fungieren nur als Vermittler. Daher ist deren rechtliche Lage im Falle von Urheberrechtsverletzungen auch umstritten. Tracker kennen den tatsaechlichen Inhalt der Dateien nicht, sie vemitteln nur kryptische Hashwerte.

Der zwar nicht immer am meisten empfohlene, aber häufig genutzte Bittorrent Client ist übrigens azureus. Wer noch nie mit Torrent zu tun hatte, wird damit wohl recht schnell Freund werden können, und darf sich den selbstverständlich legal herunterladen und benutzen.

Auf dem 24C3 hat es einen ausgesprochen sehenswerten Beitrag zum Thema Tracker gegeben, wer möchte, kann sich das unter der Creative Commons License (dh. legaler und Dowload und freie Verbreitung) stehende Video mittels dieses Torrents gern mal runterladen. Die drei Jungs erklären mit viel Hackerhumor, was Bittorrent ist, und welche technischen Probleme es beim Betrieb eines offenen Trackers es zu meistern gilt. Deren Software ist so gut, das The Pirate Bay komplett auf diesen Tracker umgestiegen ist, weil er in Sachen Effizienz unschlagbar ist. Den Torrent selbst findet man natürlich in der Suche bei The Pirate Bay unter dem Titel "Trecker fahrn" in verschiedenen Formaten.

Von: lolli

January 15, 2008

Kommunikationsguerilla

Grossartige Idee: Die Polizeidirektion Heidelberg warnt in ueber 1000 (gefakten) Briefen "An alle Buergerinnen und Buerger" vor der Vorratsdatenspeicherung und gibt Tipps wie man sich schuetzen kann.

Die Gruppe "Weg mit der Vorratsdatenspeicherung Heidelberg" bekannte sich zu der Aktion, wie netzpolitik.org und indymedia berichten.

Diese Form des zivilen Ungehorsams nennt sich Kommunikationsguerilla, und bedient sich der gezielten Desinformation um auf Missstaende aufmerksam zu machen. Die Geschichte erinnert mich an die Aktion "Die Wuerde der Wirtschaft ist unantastbar" im Sommer am Reichstag. Respekt fuer diesen Mut! Moegen ein paar mehr Leute dadurch aufwachen.

Update: Fefe hat eine Kopie des Anschreibens.

Von: lolli

January 14, 2008

Reisepaesse in die Mikrowelle

Ex-Innenminister Schily hat in seiner Amtszeit den elektronischen Reisepass eingfuehrt. Uebrigens scheinbar nicht ganz uneigennuetzig, heute ist Schily im Aufstichtrat der Byometric Systems AG und der SAFE ID Solutions AG. Seit diesem Zeitpunkt befinden sich erstmalig biometrische Merkmale (Gesichtsbild) neben allen anderen bisher nur gedruckten Daten in elektronisch auslesbarer Form auf Passdokumenten in Deutschland.

Innenminister Schaeuble hat das System weiterentwickelt, und am 1. November 2007 ein Gesetz zur Aufnahme zweier Fingerabdruecke im Reisepass eingefuehrt. Ein kreativer Netznutzer hat die passende Pressemeldung neu zusammengeschnitten um zu zeigen, was er dabei eigentlich sagen wollte:

Serioesere Beitraege finden sich im Netz zahlreich, der ccc hat eine Pressemeldung, und netzpolitik.org fasst die problematischsten Punkte hier kurz zusammen.

Was aber kann man tun? Ich habe mir vor Einfuehrung der ersten Generation noch einen nicht elektronischen Pass geholt, aber der ist ja nicht ewig gueltig. Fuer Buerger mit ePass gibt es eine einfache Loesung: Eine Mikrowelle zerstoert den Chip in Sekundenbruchteilen.

Zu bedenken bleiben einige Punkte:

  • Passdokumente sind Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, die Zerstoerung des Chips ist daher Sachbeschaedigung, und strafbar.
  • Die Daten werden moeglicherweise bei der Einreise vor Ort erhoben, die Einreise wird damit erschwert und kann unangenehmer sein. Die Abnahme von Fingerabdruecken ist auch Teil einer Erkennungsdienstlichen Behandlung.
  • Die Daten wurden zur Erstellung des Passes bereits erhoben, liegen also sowieso vor. Man wird davon ausgehen koennen, das diese Daten im Rahmen von Datenaustauschverfahren anderen Laendern auch zur Verfuegung gestellt werden (wie bei den Flugpassagierdaten). Was andere Laender mit Fingerabdruecken und allen Anderen persoenlichen Daten dann tun, ist unklar.
  • Die Zerstoerung des Chips ist eine Form des zivilen Ungehorsams. Wenn es genug Leute machen ...

Eine weitere Moeglichkeit ist es, den Pass in eine Schutzhuelle zu stecken, damit kann zumindest unbefugtes, respektive unwissentliches Auslesen verhindert werden. Eine passende Schutzhuelle bietet der FoeBuD fuer 6 Euronen. Bei der Bestellung darf man gern auch eine zusaetzliche Spende einplanen, die ist gut angelegt.

Von: lolli


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